Home Projekte Juden in Kuldiga

Juden in Kuldiga Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 

Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Kuldiga

Bereits seit dem späten 14.Jahrhundert lebten Juden zerstreut, ohne Rechtsstatus in Kurland (außer dem lokalen Status in Piltene). Man geht davon aus, dass die erste jüdische Siedlung in Kuldiga Ende des 17.Jahrhunderts entstand. Von 1799 an (Kurland wurden von Russland anektiert) wurde Juden in der Region staatsbürgerliche Rechte gewährt. Die jüdischen Gemeinden in Kuldiga und anderswo wuchsen schnell. Im Jahr 1800 gab es 658 jüdische Kaufleute und Handwerker im Kreis Goldingen (15 Prozent der gesamten Bevölkerung von 4350). In etwa 1801 wurde die ersten offiziellen Synagoge gebaut und ein Begräbnis Gesellschaft (chevra kadisha) gegründet. Kurze Zeit danach wurde eine "Talmud Torah" Schule gebaut. Ferner wurden eine Gesellschaft für Hilfe für arme Bräute (gmiluth hassadim) und anderen jüdischen sozialen Organisationen gegründet. Der erste Amtsantritt eines Rabbiner war im Jahr 1826. Die erste staatliche Schule für jüdische Jungen wurde im Jahre 1850 eröffnet.

Ein Bild der Jüdischen Synagoge in Kuldiga Juden, hatten Mittel für ihre Kinder, um diese auf lokale deutschen Hochschulen zu schicken. Bereits 1901 gab es drei privaten jüdischen Schulen in der Stadt, einen für Jungen und die beiden anderen für Mädchen. Die Sprachen der Unterricht an der Schule waren Deutsch und Hebräisch.

Die ersten Juden in Kuldiga, waren stark beeinflusst durch die deutsche Kultur und von der jüdischen Aufklärungs-Bewegung, die Haskalah. Eine spätere Einwanderung von Juden aus der Ansiedlungsrayon in Russland und Litauen bestand in einem großen Teil aus "shomrei masoret" (religiöse Beobachter). Diese organisierte eine Gruppe des Chassidismus. Kuldigas Juden hatten am Anfang großer Schwierigkeit. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch kleinen Handel, Hausieren, den Verkauf von Second-Hand-Kleidung, die Pacht von Gasthöfen, die Produktion starker Liköre und als Zwischenhändler. Ab Ende des 19. Jahrhunderts begann sich ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, und die jüdischen Kaufleute verdrängte in einigen Fällen die baltisch-deutschen Geschäftsleute. Juden, besaßen z.B. eine Mühle und Fabriken für die Herstellung von Streichhölzern und Nadeln sowie einen Kredit-Fonds für jüdische Kaufleute und Handwerker.

Im Jahr 1835 war die gesamte jüdische Bevölkerung (Familien enthalten) auf 2330 angewachsen das war bereits 75 Prozent der Bevölkerung. In 1850 gab es insgesamt 2534 jüdische Einwohner, von denen waren 112 Kaufleute und 1137 arbeiteten als Handwerker. In 1840 wanderten 171 von Kuldiga Juden (22 Familien) in die südlichen russischen Provinz Cherson, an der Grenze zum Osmanischen Reich, aus. Sie legten dort landwirtschaftliche Siedlungen an. Das zaristisches Angebot von Grundstücken und die Befreiung vom Militärdienst wurde hiermit angenommen. Ferner lockten Steuererleichterungen im Gegenzug für die Besiedlung dieser Gebiete . In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam eine große Anzahl von Letten in die Stadt und die jüdische Gemeinschaft verlor ihre Mehrheit. In 1897 gab es 2543 jüdische Einwohner, 26 Prozent der Gesamtbevölkerung von 9720.

Parallel mit schwierigen wirtschaftlichen und politischen Zeiten in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts, begannen Kuldigas Juden zu emigrieren. Einige verblieben in Lettland, in den größeren Städten der Hafen Libau (Liepaja) und Windau (Ventspils), wo es größere wirtschaftliche Aktivität gab. Andere nutzten diese Städte als Ausgangpunkt oder direkt aus Kuldiga, und emigrierte in die USA oder Südafrika. Es ist auch bemerkenswert, dass die Entwicklungen im Seetransport die große Zahl der Auswanderer, in bestimmten Richtungen wies. Die Dampfschiff-Dienstleistungen wurden günstiger, regelmäßiger und sicherer. Alledings ermutigten Agenten der großen europäischen Reedereien in Russland potenzielle Auswanderer zu Zielen zu reisen, die der wirtschaftlichen Ausrichtung der Reedereien entsprachen. "Pauschalangebote" für die baltischen Juden nach Südafrika, Reisen durch England, wurde ein solcher Anreiz; Passage in die USA über Hamburg war ein weiterer.

Im Jahr 1935 war die jüdische Bevölkerung zurück gegangen, es waren nur 9 Prozent der Stadt mit 7000 Einwohner. Ein Großteil des Rückganges war auf die Tatsache zurückzuführen, dass während des Ersten Weltkriegs, die Juden von Kurland als Deutsch Sympathisanten in das Landesinnere von Russland verschleppt wurden. Im Laufe des Krieges wurden viele jüdische Gebäude und Häuser zerstört. Nach dem Krieg war etwa ein Drittel der Juden wieder in die Stadt. Die Gemeinde wurde mit Hilfe des "Joint" (Eine Agentur, eine Sozialhilfe des amerikanischen Judentums) saniert. Die Juden kamen allmählich wieder in ihre Position. Im Jahre 1935 waren von 205 Geschäfte und Firmen in der Stadt 95 im Besitz von Juden.

Die Holocaust-Periode
Am 23. August 1939, errichtete die sowjetischen Armee einen Stützpunkt in Lettland und im Sommer 1940 wurde ein sowjetisches Regime installiert. Die jüdischen öffentlichen Einrichtungen wurden schrittweise aufgelöst. Nach der Nazi-Invasion in Russland im Juni 1941, gelang es etwa ein Zehntel der Juden aus Kuldiga in das Landesinnere von Russland zu fliehen. Die jungen Männer unter ihnen wurden in die sowjetischen Armee eingezogen. Am 1. Juli 1941, als die Nazis die Stadt besetzten, war die Mehrheit der Gemeinde noch immer da. Unmittelbar danach begannen lettische Faschisten mit Ausschreitungen gegen Juden und ermordet mehrere von ihnen. Die restlichen Juden wurden zur Zwangsarbeit bestellt. Eines Tages wurden alle Juden in der Synagoge zusammen gezogen. Die Männer wurden zu einem nahe gelegenen Wald gebracht. Dort wurden sie ermordet und in Gruben geworfen, die sie gezwungen worden waren zu graben. Andere wurden in den Wald Padura wenige Kilometer von der Stadt ermordet. Kuldigas Juden wurden hierbei Anfang 1942 zerstört. Das Eigentum der Juden wurde geteilt zwischen ihren Mördern. Die Thorarollen wurden in das Stadtarchiv gebracht. Mehrere Juden wurden von Landwirten versteckt und überlebten. Die Stadt wurde durch die Sowjets im Jahr 1944 befreit.

Nach dem Krieg sind einige Reihe von Familien wieder in die Stadt zurück gekehrt. Einer von den Juden wurde von einem Gegnern des sowjetischen Regimes getötet. Die überlebten, fanden die Überreste des Ermordet und gaben ihm ein jüdisches Begräbnis.
Mit den Thorarollen organisierten die Juden, ein Minjan. Die Synagoge, war umgewandelt in einen Kino. Sie wurde nicht zurück gegeben. Im Laufe der Zeit verließen die Überlebenden die Stadt, viele von ihnen gingen auf Alija nach Israel. Der Minjan hat aufgehört zu existieren und die Thorarollen wurden verkauft.


Texte in Englisch von Eric Benjaminson und Aleksandrs Feigmanis, übersetzt und bearbeitet von Antonius Grotenhermen.
Umfangreich Informationen zu Juden in Kuldiga auf den Seiten von E.Benjaminson